Europa-Abgeordnete Maria Heubuch aus Leutkirch diskutiert in Kißlegg mit dem Kreisverband Wangen über die aktuelle Lage und die Zukunft der Agrarpolitik sowie über den Einsatz von Glyphosat. (Foto: Schwäbische Zeitung Marlene Gempp)

Grü­ne dis­ku­tie­ren über Gly­pho­sat-Ein­satz (Schwäbische Zeitung 11.01.2018)

Über unsere Kreismitgliederversammlung vom 09.01.2018 in Kißlegg, der ein sehr informativer Impulsvortrag unserer Abgeordneten im Europäischen Parlament Maria Heubuch vorangegangen ist, berichtet die Schwäbische Zeitung in der Wangener Lokalausgabe am 11.01.2018 (der vorstehende Link führt zum Online-Angebot der Schwäbischen Zeitung).

Hier haben wir mit freundlicher Genehmigung der Schwäbischen Zeitung den Text des Artikels:
Grüne diskutieren über Glyphosat-Einsatz

Kreisverband Wangen schlägt vor: Kommunen sollen sich als „pestizidfrei“ zertifizieren lassen.

Kisslegg – Kommunen sollen beim Verzicht auf Spritzmittel, Pestizide und vor allem auf den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat mit gutem Beispiel vorangehen. Dazu will der Grünen-Kreisverband Wangen die Gemeinden in der Region nun nach seiner ersten Mitgliederversammlung des Jahres in Kißlegg aufrufen. Unter anderem schlägt der Verband vor, dass Kommunen sich als „pestizidfrei“ qualifizieren lassen. Das bedeutet zum Beispiel, dass öffentliche Flächen in einer Gemeinde nicht mehr mit Glyphosat oder anderen Herbiziden gespritzt werden dürfen. Damit unterstützt der Kreisverband auch einen Prüfantrag der Grünen-Fraktion im Landkreis Ravensburg.

Auch Europa-Abgeordnete Maria Heubuch aus Leutkirch ging auf das Thema Pestizide ein. Sie berichtete zu Beginn der Mitgliederversammlung von aktuellen Entwicklungen in der europäischen und weltweiten Agrarpolitik. Für sie ist eine der größten Herausforderungen in der kommenden Zeit, wieder mehr Vielfalt zu schaffen – sowohl in der Tier- als auch in der Pflanzenwelt: „Wir verlieren auf allen Ebenen, wenn die Vielfalt auf unseren Höfen verloren geht.“ Die kürzlich im europäischen Parlament beschlossene Verlängerung für die Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat ist für sie ein Zeichen für die Industrialisierung des Ackerbaus. „Pestizide gehören nicht in die Nahrungskette. Das ist ein großes Problem“, so Heubuch in ihrem Vortrag. Sie sieht in diesem Thema aber auch eine Chance für die Politik, wenn diese wie etwa schon die Industrie, Alternativen zu den Pestiziden und Herbiziden unterstützen würde: „Es gibt immer mehr Maschinen, die Unkraut mechanisch vernichten, ganz ohne Glyphosat. Manche Obstbauern am Bodensee benutzen das zum Beispiel schon.“ Eine weitere Möglichkeit sieht sie in Kommunen, die eigene Flächen als pestizidfrei ausweisen.

Pestizidfreie Kommunen

Damit sprach sie genau das Hauptthema der Mitgliederversammlung an: pestizidfreie Gemeinden in der Region. Mitte Dezember hat die Kreistagsfraktion der Grünen im Landkreis Ravensburg zum Thema Biodiversität und Verzicht auf Pestizide und Glyphosat bereits einen Prüfantrag an den Landkreis gestellt. Dieser liegt nun im Ausschuss für Umwelt und Technik zur Diskussion vor. Ein Schwerpunkt des Antrags ist die Entwicklung einer Biodiversitätsstrategie für den Kreis. Den Antrag unterstütze der Kreisverband Wangen, erklärte Wilfried Fischer: „Diesen Antrag haben wir sehr positiv aufgenommen. Parallel dazu haben wir nun ein eigenes Positionspapier aufgesetzt.“ Dieses soll nun an alle Kommunen im Gebiet des Kreisverbands sowie an grüne und an grünen Themen interessierte Gemeinderäte geschickt werden. Darin enthalten ist die Empfehlung, dass die Kommunen in der Region sich als „pestizidfrei“ qualifizieren sollen (siehe kleines Bild) sowie ein Beispiel-Antrag für diese Zertifizierung, die der BUND erstellt hat. „Ich habe in Wangen schon mal nachgefragt“, erzählte Fischer. „Die Stadt verwendet bereits weder Glyphosat noch Pestizide.“ Er wolle nun anregen, dass sich Wangen als „pestizidfreie Kommune“ erklären lässt. „Kommunen sollten in dieser Angelegenheit als Beispiel vorangehen“, sagte Fischer weiter. Kreisrat Ulrich Walz ergänzte, dass für Gemeinden in der Region gewissen Anreize geschaffen werden könnten, die einen Verzicht auf Pestizide attraktiver machten: „Wangen zum Beispiel könnte mit dem Blick auf die anstehende Landesgartenschau einen Wettbewerb, auch unter Privatleuten, veranstalten und blühende und insektenfreundliche Wiesen fördern.“ Die Mitglieder einigten sich darauf, städtespezifische Vorschläge und Ideen direkt an die jeweiligen grünen oder grünen-affine Gemeinderäte zu schicken. Der Kreisverband stimmte dem vorgestellten Positionspapier einstimmig zu.

Delegierte für Konferenz gewählt

Neben Glyphosat war auch die anstehende Bundesdelegierten-Konferenz in Hannover ein Thema der Mitgliederversammlung. Diese werde in diesem Jahr besonders spannende, sagte Kreisvorstand Kay Friedrich. Es werden nämlich die neuen Bundesvorstände der Grünen gewählt. Für den Kreisverband Wangen wird Corinna Kreidler aus Bad Waldsee zur Konferenz fahren. Sie wurde einstimmig mit einer Enthaltung gewählt. Als Ersatzkandidat fährt Kreisvorstand Friedrich mit.

Hier finden Sie unser Posisitionspapier zum Einsatz von Glyphosat und anderen Pestiziden in den Kommunen:
2018_01_09_Positionspapier_Pestizidfreie_Kommune

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