Bessere Agrarpolitik in Europa und Bad Waldsee

Unter dem vielsagenden Titel „Europa und das Suppenhuhn“ fanden sich über
20 Besucher*innen am vergangenen Dienstag im Zukunftsladen der Grünen
ein, um sich über die Landwirtschaftspolitik der EU und ihre Folgen für die
bäuerliche Landwirtschaft und die Umwelt zu informieren, aber auch darüber
sich auszutauschen, welche Konsequenzen Verbraucher und lokale Politik
daraus ziehen sollten.
Nach der Begrüßung und Hinführung durch Grünen-Sprecher Ulrich Köpfler
stellte Maria Heubuch, Landwirtin in Leutkirch und grüne Abgeordnete des
Europäischen Parlaments das System der Agrarförderung durch die EU vor, das
aus zwei Säulen besteht, erstens den Direkthilfen, die im Wesentlichen nach
der Anzahl der Hektar landwirtschaftlicher Fläche berechnet wird, und zweitens
den Agrarsonderprogrammen, mit denen besondere Programm wie
Regionalförderung, biologische Landwirtschaft, Tierwohl und Artenschutz
finanziert werden. Im neuen Förderzeitraum 2021/27 sollen die Direkthilfen,
die bereits über zwei Drittel der Subventionen ausmachen, weiter gestärkt
werden, was Heubuch kritisiert. Dadurch würden große Höfe noch mehr
profitieren, Maßnahmen, die auf mehr Biodiversität und den Schutz der
natürlichen Ressourcen zielen, aber geschwächt, was insbesondere den
Klimaschutzzielen 2030 widerspricht. Aufgrund der Europawahl konnte das
Konzept für den neuen Förderzeitraum noch nicht verabschiedet werden, so
dass Heubuch hofft, die Wahl bringe Mehrheiten hervor, die das verhindern
können.
In einem zweiten Kurzreferat stellte Cornelie Jäger, bis 2017
Tierschutzbeauftragte von Baden-Württemberg, ihr Buch „Die Sache mit dem
Suppenhuhn vor“, in dem sie die Folgen intensiver Landwirtschaft,
insbesondere die übermäßige Belastung der Böden und damit des
Grundwassers etwa mit Nitrat, die Belastung des Klimas mit CO2 und Methan,
aber auch die zum Teil unhaltbaren Zustände für Nutztiere darstellte. Sie zeigte
ebenso Wege auf, wie mit verhältnismäßig geringem Aufwand und Kosten
umweltschonendere Wege beschritten werden können, etwa wenn auf
mineralischen Dünger verzichtet würde und stattdessen der organische Mist,
der in manchen Gegenden übermäßig anfällt an anderer Stelle eingesetzt wird.
Das würde zudem die zusätzliche Belastung des Klimas mit CO2 bei der Düngerherstellung vermeiden. Eine bedeutende Rolle komme auch dem Handel zu, den Jäger zu einer (tier-)gerechten Preisgestaltung und zur Abkehr von Billigfleischangeboten aufforderte.
Allerdings wurde auch klar, dass die Konsumgewohnheiten sich verändern und weniger Fleisch und Milchprodukte konsumiert werden müssen, was, so die Autorin auch Gesundheitsexperten seit langem fordern. Im anschließenden Podiumsgespräch zwischen Heubuch, Jäger und Köpfler sowie der abschließenden Fragerunde wurden die Möglichkeiten der Politik vor Ort in den Fokus genommen. Denn auch der Kreistag und der Gemeinderat haben agrarpolitische Möglichkeiten, um Klima, Natur und Tiere besser zu schützen, etwa die strikte Verpachtung ihrer Flächen unter ökologischen Vorgaben, die bessere Ausstattung der Landwirtschaftsämter mit Personal oder die Entscheidungen, welche Nahrungsmittel und Produkte für Schulmensen, Kitas, Krankenhäuser, Veranstaltungen und Verwaltung beschafft und verwendet werden. Wie wir als Konsumenten haben auch die Kommunen als Verbraucher viele Möglichkeiten, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. (uk)

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